Seitdem jetzt endlich die Natur aufgewacht ist und es grünt und blüht, gehe ich in unserem Garten auf Entdeckungsreise – viel mehr bleibt ja derzeit auch nicht.
Jedes Jahr finde ich neue interessante Pflänzchen, die sich hier ausgesät haben, und tatsächlich ist das auch dieses Jahr der Fall. Viele sind auch auf den meisten Wildwiesen vertreten und man kann aus ihnen einfach, leckere Sachen zaubern.
Verantwortlich für die Verbreitung sind neben dem Wind auch Vögel, die Samen fressen und weitertragen, man sieht es hier im Viertel immer wieder, dass sich alle zwei Jahre eine bestimmte Art sehr ausbreitet. Die letzten zwei Jahre war es übrigens Riesen-Nachtkerzen – fantastische Pflanzen, die sehr von verschiedenen Schmetterlingen gemocht werden.

Mein Wissen über Kräuter und Wildpflanzen und deren Verwendung in der Küche versuche ich immer wieder mal zu erweitern, das mache ich entweder mit Büchern, im Internet, oder das letzte Mal im brandenburgischen Fläming bei einer grandiosen Kräuterwanderung inklusive Jodelkurs!

Jodelkurs bei Gabi Sussdorf

Gabi Sußdorf hat einen tollen Laden und macht Kräuterseifen. Ihr Jodelkurs ist unbezahlbar.

Diesen Kurs kann man bei Gabi Sußdorf buchen, er findet mehrfach im Jahr statt und ist wirklich super interessant und gleichzeitig natürlich unheimlich witzig, und jodeln ist tatsächlich etwas weniger schwierig, als ich gedacht habe.

Heute stelle ich Euch meine Lieblings-Rezepte mit Wildkräutern vor, die Ihr mit großer Sicherheit auch auf der nächsten Wiese findet – oder sogar im eigenen Garten oder auf dem Balkon anpflanzen könnt. Ich schreibe zwar die Heilwirkungen unten jeweils dazu, jedoch nur der Vollständigkeit halber. Ich finde einfach toll, was man für leckere Sachen aus den Dingen machen kann, die man gratis auf einer Wiese findet und hoffe, ich kann Euch dazu anstiften, einfach mal suchen zu gehen.
Wichtig ist natürlich: Die Pflanzen sollten nicht gespritzt sein und vielleicht nicht gerade am Wegesrand von üblichen Hunde-Gassirunden stehen.

Löwenzahnhonig

Natürlich gibt es Löwenzahn schon immer bei uns im Garten und er darf überall stehen. Allerdings habe ich nun endlich mal dran gedacht, Löwenzahn-Honig zu machen – GRANDIOS!
Ich bin super überrascht, wie toll er schmeckt. Ich nutze ihn vor allem für den so genannten „Sauerhonig“, dabei mischt man Honig mit Kräutern und Apfelessig und trinkt morgens im warmen Wasser 2 Teelöffel davon. Als Honig nehme ich nun den Löwenzahn-Honig.

Aber lasst den Bienen noch ein paar Blüten übrig. Löwenzahn ist als Frühblüher tatsächlich eine sehr wichtige Bienenfutterpflanze.

Löwenzahn

Jeder kennt den Löwenzahn. Auch die Bienen lieben ihn.

Rezept für ein Glas Löwenzahn-Honig

Zutaten:
3 Hände voll Löwenzahn-Blüten
500 ml Wasser
400 g Zucker
etwas Zitronensaft
Kräuter nach eigenem Geschmack, z.B. Rosmarin

Zubereitung:

  • Die gelben Blütenblätter von den Löwenzahn-Blüten zupfen. Das Grüne soll nicht verwendet werden.
  • Die Blätter in 500 ml Wasser einlegen, Kräuter dazugeben. Ich nehme sehr gerne 2 Stängel frischen Rosmarin, den man übrigens hervorragend selbst anbauen kann; bei den milden Wintern in Brandenburg hat unserer schon seit sechs Jahren draußen überlebt.
  • Einmal kurz aufkochen lassen und dann über Nacht stehen lassen.
  • Das Löwenzahn-Kräuterwasser abseihen und nun mit ca. 400 Gramm Zucker kurz aufkochen und anschließend auf kleiner Stufe einköcheln lassen, bis die Flüssigkeit Fäden zieht. Das kann länger dauern.
    Achtung: Immer dabei bleiben, zum Schluss geht das einkochen sehr schnell. Wenn Ihr die Flüssigkeit zu sehr einkochen lasst, habt Ihr später eine steinharte Masse im Glas. Falls das passiert ist, könnt Ihr das Glas in Kochwasser stellen, der Honig wird wieder flüssig und Ihr gebt einfach mehr Wasser dazu.
  • Herd ausstellen, Zitrone zufügen und umrühren.
  • Noch heiß ins Glas füllen, das Ihr am besten vorher mit kochendem Wasser übergossen habt, um es zu sterilisieren.

Inhaltsstoffe: Vitamin A & C, Bitterstoffe, Kalium, Magnesium
Wirkt bei Bronchitis, Frühjahrsmüdigkeit, Gicht, Rheuma.

Zutaten für Löwenzahnhonig

Löwenzahnhonig ist sehr simpel selber gemacht und eine tolle Alternative für Bienenhonig.

Löwenzahnhonig

Einfach nur lecker!

Kräuterbutter mit Knoblauchsrauke

Die unscheinbare Knoblauchsrauke steht an fast jedem Wegesrand und ist auch mir lange Zeit nicht aufgefallen, jetzt schätze ich sie umso mehr. Seit letzten Jahr steht sie auch in unserem Garten. Die Knoblauchsrauke ist eine sehr alte Gewürzpflanze und geriet in Vergessenheit, weil Duft und Geschmack nur zart ausgeprägt sind. Tatsächlich riecht sie beim Reiben der Blätter nach Knoblauch und passt deshalb hervorragend in Kräuterbutter oder deftige Salate.
Die Blätter sind dreieckig mit umlaufenden Spitzen, die Blüten sind sehr klein, weiß und jeweils vierblättig.

Knoblauchsrauke

Die Blätter der Knoblauchsrauke schmecken tatsächlich nach Knoblauch.

Rezept für Kräuterbutter

Zubereitung:

  • 120 Gramm Butter in einer Schüssel zimmerwarm werden lassen.
  • 1 Handvoll klein geschnittener Knoblauch-Rauke und anderer Kräuter, z.B. Gundermann, Bärlauch etc. zufügen.
  • Meersalz hinzufügen, Kräuterbutter verträgt nach meinem Geschmack eine ordentliche Prise.
  • Alles vermischen, noch eine Weile bei Zimmertemperatur ziehen lassen, fertig.

Inhaltsstoffe: Eher gering, daher wird sie kaum noch als Heilpflanze verwendet, dafür umso leckerer.

selbstgemachte Kräuterbutter

Nichts geht schneller als Kräuterbutter einfach selbst zu machen – am liebsten mit Knoblauchsrauke.

Wildkräutersalat mit Gundermann

Der Gundermann, auch als Gundelrebe bekannt, wird nach langer Vergessenheit vielerorts wieder angepriesen und ich war ziemlich glücklich, als ich ihn dieses Jahr nun auch bei uns entdeckt habe. Aufgrund seines hohen Vitamin-C-Gehaltes wurde er früher auch „Soldatenpetersilie“ genannt.

Viele Leute schwören auf seinen Geschmack, ich finde ihn pur etwas gewöhnungsbedürftig und mische ihn daher mit anderen Kräutern und Pflanzen. Perfekt finde ich ihn zusammen mit anderen Kräutern zum Beispiel im Wildkräutersalat, oder auch in der Kräuterbutter oder für Salat-Dressings.
Für den Salat könnt Ihr noch viele andere Pflanzen von der Wiese nutzen, zum Beispiel Gänseblümchen-Blüten, junge Löwenzahnblätter oder die oben genannte Knoblauch-Rauke.

Häufiger habe ich gelesen, man solle Gundermann mit Unkrautvernichtungsmitteln begegnen, weil er sich im Garten stark durch Rhizome ausbreitet. Macht das bitte nicht. Der Gundermann blüht schon ab März, was ihn zu einer wichtigen und frühen Bienennahrung macht. Zudem tötet Ihr mit „Unkrautvernichtern“ zig wichtige Pflänzchen, Bakterien und andere Lebewesen ab und damit auch Euren fruchtbaren Boden. Und er verdrängt meines Wissens keine anderen Pflanzen. Allerdings vertragen viele Tiere Gundermann nicht. Wer Tiere hat, sollte Gundermann daher von Garten und Weide entfernen.

Der Gundermann ist auf den ersten Blick sehr leicht mit der roten Taubnessel zu verwechseln. Ich habe netterweise beides nebeneinander im Garten und kann Euch daher beide im Vergleich zeigen:

Gundermann-Taubnessel-Vergleich

Links der Gundermann, rechts die Taubnessel. Weiß man erst einmal um die Unterschiede, sind sie schwer zu verwechseln.

Beide sind zwischen 15 und 25 cm hoch, haben einen vierkantigen Stängel und bilden herz- bzw. nierenförmige Blätter aus, die an den Seiten gekerbt sind. Beide haben violette Blüten.
Es gibt mehrere Dinge, die die beiden Pflänzchen unterscheiden, da wird mal vom aufrechten Wuchs der Taubnessel und vom kriechenden Wuchs des Gundermanns gesprochen, das hilft aber m.E. wenig für ungeübte Betrachter.
Deutlich sind vor allem diese zwei Merkmale:

1. Die Taubnessel hat behaarte Blätter, der Gundermann hat glatte Blätter.
2. Beide Pflanzen gehören zu den Lippenblütern. Das bedeutet, dass die Blüten wie Lippen geformt sind. Während aber bei der Taubnessel die „Oberlippe“ hervorsteht, ist es beim Gundermann die „Unterlippe“. Man könnte auch sagen: Der Gundermann wirkt ein bisschen doof (wenn Ihr das mal selber nachmacht, merkt Ihr, was ich meine). Als Eselsbrücke gut zu merken.

Aber keine Sorge: Auch die Taubnessel ist essbar, eine Verwechslung ist daher nicht schlimm.

Inhaltsstoffe: Viel Vitamin-C, ätherische Öle, Bitterstoffe.
Wirkt schleimlösend, antibakteriell, wundheilungsfördernd, verdauungsfördernd.

Salat-Dressing mit Rotem Wiesenklee

Schmetterlinge und Bienen lieben ihn, als Gründungung mit viel Stickstoff reichert er den Boden an: der rote Wiesenklee. (Da es dieses Jahr noch nicht soweit ist, habe ich tatsächlich kein Foto, das wird nachgereicht. Aber Klee kennt Ihr, oder? :)
Er soll Frauenleiden und Wechseljahresbeschwerden lindern, vor allem aber ist er tatsächlich sehr schmackhaft. Daher ist die Verwendung des Klees äußerst sinnvoll, zum Beispiel im leckeren Salatdressing:

Rezept für Salat-Dressing von der Wiese

Zutaten:
150 g Zucker
150 ml Wasser
75 ml Essig
400 ml Öl
40 g Senf
ca. 50 g Kräuter gehackt, zum Beispiel Rotklee, Gänseblümchen, Knoblauchsrauke, Gundermann, junge Löwenzahnblätter, Petersilie, Basilikum, Dill, Schnittlauch, Rosenblätter…

Zubereitung:

  • Mit dem Zucker und Wasser Läuterzucker herstellen. Dazu das Wasser kurz aufkochen und dabei den Zucker komplett auflösen. Besser dabei umrühren, damit der Zucker nicht am Boden festbrennt.
  • 75 ml Läuterzucker, den Essig, die Kräuter und den Senf in einem Mixer durchmischen, dann nach und nach das Öl zufügen und weitermixen. Durch das Mixen und die Zutaten ergibt sich eine wunderbare Emulsion.
  • Der Rest des Läuterzuckers hält sich eine ganze Weile im Kühlschrank – einfach für das nächste Dressing nutzen.
Kräuter gehackt

Kräuter nehme ich gerne aus dem Garten, in diesem Fall sogar Rosenblätter.

Salat-Kräuderdressing selbstgemacht

Nach dem Mischen der anderen Zutaten das Öl nach und nach beim Mixen zugießen. So entsteht eine schöne Emulsion.

Kochbuch Zossener Land

Dieses Rezept habe ich vom Flair Hotel Reuner, ein superhübsches Hotel & Restaurant im Fläming, bei dem ich einen kleinen Kochkurs besucht habe. Einmal in das schöne Hotel hineinschnuppern könnt Ihr bei Laura vom Blog Herz an Hirn.
Geschäftsführer und Koch Daniel Reuner hat außerdem ein tolles Kochbuch geschrieben, dass ich Euch sehr empfehlen kann. „Regionale Köstlichkeiten kulinarisch entdecken“ ist sein Motto, hier werden viele traditionelle Zutaten spannend kombiniert. Übrigens verwendet das Restaurant viele Zutaten aus der hoteleigenen Gärtnerei.
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Gewächshaus

Das Restaurant Reuner im Fläming hat eine eigene Gärtnerei und zieht den Großteil des verarbeiteten Gemüses selbst.

Nussige Röstaromen von der Brennnessel

Ein bisschen hoffe ich, dass viele von Euch jetzt etwas gestutzt haben, weil ihnen noch gar nicht bekannt ist, was für tolle Aromen unsere unscheinbare Brennnessel hervorzaubern kann.
Ja, die Brennnessel ist wirklich ein Wunderwerk der Natur und sollte in keinem Garten fehlen. Ich muss da allerdings auch immer noch Überzeugungsarbeit beim Mann leisten, unsere Brennnesseln stehen zu lassen.

Brennnesselsamen

Brennnesselsamen enthalten sehr viel Vitamin C und Mineralien.

Erst einmal: Die Brennnessel zeigt einen hohen Stickstoffwert im Boden an – also einen fruchtbaren Boden. Sie ist außerdem der einzige Platz, wo das Pfauenauge seine Eier ablegt. Mit Glück habt Ihr also ein paar schöne Schmetterlinge im Garten oder auf dem Balkon (ja, bei mir gibt’s sogar Brennnesseln auf dem Balkon).
Und jetzt noch die gute Nachricht für alle Vegetarier: Brennnesseln besitzen einen ähnlich hohen Eisengehalt wie Spinat, das Eisen ist jedoch viel besser verwertbar aufgrund der geringen Oxalsäure (im Gegensatz zu Spinat).
Brennnesseln haben außerdem viel Vitamin C und einen hohen Proteingehalt. Sie ist also nicht nur ein Wunderwerk für die Natur, sondern auch als Nahrung für uns.

Frisch mag ich sie nicht so sehr und bin auch kein großer Brennnessel-Tee-Fan. Aber es gibt noch andere Arten, um Brennnessel zu verwerten:

  1. Die jungen Blätter ganz oben kann man pflücken, trocknen und in fast jede Speise zugeben.
  2. Wenn die Brennnesseln im Sommer samen, kann man die Samen sammeln, auf Küchenpapier trocknen und einfach in der Pfanne anrösten. Im Glas halten sie sich dann monatelang. Sie haben einen super leckeren, nussigen Geschmack und sind auf jedem Salat, auf dem Spiegelei oder auf Kartoffeln absolut köstlich – und gesund!
Getrocknete Brennnesselsamen

Die Brennnesselsamen können einfach auf Küchenpapier getrocknet werden.

Brennnesseljauche ist außerdem auch noch ein perfekter Dünger für alle Pflanzen. Kleiner Tipp: Etwas Steinmehl in die Jauche verhindert den absolut üblen Gestank.

Inhaltsstoffe: Viel Vitamin C, Proteine, für Menschen gut verwertbares Eisen – für Vegetarier und Veganer äußerst wichtig!
Wirkt Wunder als Frühjahrskur, sagt man.

Wer jetzt Lust auf mehr hat, sollte bei Andrea vom Indigoblau-Blog vorbeischauen, hier findet Ihr viele weitere Wildkräuter-Rezepte.

Ich hoffe, Ihr konntet einige Ideen mitnehmen und wünsche Euch nun viel Spaß beim Finden und Zubereiten.

5-Wiesenkräuter-Rezepte